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Das St. Agnes Domizil enstand aus dem
ehemaligen Agnes-Stift und geht auf das Jahr 1904 zurück. Der Agnes-Verein
hatte sich zum Ziel gesetzt, eine Erziehungs- und Haushaltsanstalt zu
gründen, um "sittlich gefährdeten, weiblichen Personen" Schutz und Hilfe
zu gewähren. 1902 wurde in der Rheindorfer Straße ein Grundstück erworben
und aus dem Verein enstand eine Stiftung. 1904 wurde die Anstalt
fertiggestellt unter Leitung der "Schwestern der christlichen Liebe". Das
Mutterhaus des Ordens befindet sich in Paderborn.
Das Agnes-Stift war im Volksmund in Bonn nur unter dem Namen "Heim der
gefallenen Mädchen" bekannt. Der Verein organisierte seit 1899 Gartenfeste
und dann 1907 ein großes "Straßenfest". Erlöse dieser Veranstaltungen
sollten der Grundstock für die Errichtung und den Unterhalt des Hauses
dienen.
Das Haus begann mit einer Belegschaft von 40 "Zöglingen", kurze Zeit
später hatten bereits 80 junge Mädchen Platz. Nach Anschaffung von Näh-
und Waschmaschinen sowie viel später einem Trockner erhielt das Haus
Aufträge von einigen Familien der Stadt Bonn. Die Insassen erhielten
Religionsunterricht und ab 1910 wurde Anstands- und Rechenunterricht
erteilt.
Das Stift hatte große Geldprobleme, daher
die durchgeführten Gartenfeste mit dem Zweck, Geldbeträge zu sammeln.
Bereits 1914 beherbergte das Stift 120 "Zöglinge". Da die Mädchen aus
Platzmangel auch auf dem Boden schlafen mussten, erhielt das Haus ab 1917
- also 13 Jahre später - von der Fürsorgebehörde Düsseldorf ein
tägliches Pflegegeld von 1,15 Mark pro Kopf.
Im 1. Weltkrieg wurde die Wäsche aus 12 Lazaretten gewaschen, gesäubert
und instandgesetzt. 1918 war ein Krisenjahr. Sieben an Tuberkulose
Erkrankte starben, gleichzeitig lagen 80 Mädchen und fünf Schwestern an
Grippe schwer erkrankt zu Bett. Die Novemberrevolution brachte zusätzliche
Aufregungen. Die Matrosen wollten die Mädchen als "Freiwild" entführen,
wurden aber durch die Soldaten der gegenüberliegenden Kaserne daran
gehindert.
Durch die Inflation
bedingt, konnten es sich nur wenige Familien leisten, ihre Wäsche außer
Haus reinigen zu lassen, was wiederum zu neuerlichen finanziellen
Engpässen führte. Nur die Unterstützung der Schwestern aus Amerika
ermöglichte das Überleben des Hauses.
Januar 1924 wurde nach 20 Jahren die Stiftung aufgelöst und das Haus den
Schwestern übertragen. 1928 kam ein Kindergarten dazu, auch wurde
täglicher Unterricht erteilt, da zunehmend junge Mädchen ab 15 aufgenommen
wurden. Wichtiges Fach war Hauswirtschaft. 1933, nach der Übernahme der
Regierung durch die NSDAP, wurde das Haus unter Aufsicht der Behörden
gestellt.
Den Schwestern gelang es aber trotzdem, religiöse Freiräume zu behalten,
auch wurden immer neue Ausreden gefunden, warum kein Führerbild im Haus
hing. Tägliche Armenspeisungen waren obligatorisch. 1939 - mit
Kriegsbeginn - wurde der Stiftskindergarten geschlossen, aber 1941 durch
die Volkswohlfahrt wieder eröffnet.
1944 kamen als
Evakuierte 39 Zöglinge und sechs Erzieherinnen aus Füssenich, einer
Außenstelle. Im Oktober 1944 beherbergte die Aula 38 Kleinkinder mit
Pflegerinnen aus der Klinik; Anfang 1945 fanden auch obdachlose Familien
Asyl. Außer zerbrochenen Fensterscheiben durch Bombenangriffe
Herbst/Winter 1944 wurde das Haus nicht weiter beschädigt.
Am 8. März 1945 ergab sich der Bonner Norden kampflos den Amerikanern, die
nach Durchsuchung nach Waffen die Schwestern in Ruhe ließen. Im April 1945
eröffnete wieder der Kindergarten. Probleme gab es bei der Verpflegung,
die durch Verwandte der Schwestern, die auf dem Lande lebten, gemildert
werden konnten.
Das Agnes-Stift stand für viele Veranstaltungen zur Verfügung. 1954 war
das 50jährige Bestehen. 1955 wurden die großen Schlafsäle zu
Gruppen-Wohneinheiten umgebaut, mit Wohn- und Schlafzimmern. Ab 1957
erfolgten die Angebote für die Ausbildung zur Hauswirtschafterin, Damen-
und Wäscheschneiderin, Büglerin, Beiköchin sowie Stenotypistin. 1959 wurde
die neue Kapelle eingeweiht. 1969 kam innerhalb des Gartengeländes ein
großer Sport- und Spielplatz hinzu.
Seit 1990 lebten nur
noch 45 Mädchen in fünf Wohngruppen. Die Tätigkeit im Agnes-Stift ging
nach fast 90 Jahren dem Ende zu. Fast 7.000 junge Mädchen
durchliefen die Einrichtung und verließen dieselbe mit zum Teil
hervorragenden Ausbildungsergebnissen. Die Einrichtung schloss am 31. Juli
1996 ihre Pforten.
(H. Bussmann, Vorsitzender des
Heimbeirates St. Agnes Domizil, Unser Blättchen Nr. 14/2005)

Nachtrag Ilka Meier: Heute heißt das
Agnes-Stift, Agnes-Domizil und ist ein Altersheim.
Nachtrag Ilka Meier 2009.. das Agnes-Domizil steht vor dem
Aus... Es wird geschlossen, die Bewohner müssen sich eine neue Bleibe
suchen. Es ist wirklich schrecklich, das so viel Sinnvolles was dieses
Haus erfüllte... immer wieder beendet wurde.. |